Bautechnische Nachweise und Bauherrenpflichten

Bautechnische Nachweise und Bauherrenpflichten

Beispielhaft werden hier nur die bautechnischen Nachweise für Ein- und Zweifamilienhäuser, freistehend oder zusammengebaut, in Form von Einzel- und Doppelhäusern bis zu einer Höhe von 7,00 m und zwei Nutzungseinheiten mit insgesamt max. 400m2 behandelt. (Höhe = Fußbodenoberkante des höchst gelegenen Geschosses, in dem Aufenthaltsräume möglich sind). Dies sind gemäß Bayerischer Bauordnung Wohnhäuser der Gebäudeklassen 1 und 2

Bauherrenpflicht

Sie als Bauherr sind dafür verantwortlich, dass die in der Bayerischen Bauordnung vorgesehenen Anträge (z.B. Bauantrag) und Anzeigen (z.B. Baubeginnsanzeige) rechtzeitig und vollständig abgegeben werden und die erforderlichen bautechnischen Nachweise rechtzeitig erstellt werden. Zu Ihrer Entlastung können Sie Ihre Verpflichtung an geeignete Entwurfsverfasser, Fachplaner sowie geeignete Unternehmer übertragen. Ihrer sicherheitsrechtlichen Verantwortung können Sie sich dadurch aber nicht entziehen.

Wichtig: Als sorgfältig kalkulierender Bauherr sollten Sie bei der Auswahl der geeigneten Personen, auch wenn Sie ein wenig „zulegen“ müssen, immer daran denken, dass Ihr Haus Jahrzehnte halten soll und dass Fehler und Nachlässigkeiten bei Planung und Bauausführung Sie – ganz abgesehen von dem Nerven- und Zeitaufwand – teuer zu stehen kommen können. Wenn Sie die Genehmigung in Händen haben oder – bei Genehmigungsfreistellung – die Gemeinde kein Genehmigungsverfahren verlangt hat, sind Ihre Pflichten gegenüber der Bauaufsichtsbehörde noch nicht erfüllt.

Bautechnische Nachweise

Da bei Wohngebäuden der Gebäudeklasse 1 und 2 grundsätzlich die bautechnischen Nachweise nicht mit den Bauvorlagen vorgelegt wurden, müssen diese, bevor mit dem Bau begonnen wird, an der Baustelle vorliegen. Überprüfen Sie deshalb bitte, ob die erforderlichen Nachweise für Standsicherheit, Schall-, Wärmeschutz und Energieeinsparung sowie Brand- und Erschütterungsschutz rechtzeitig erstellt worden sind.

Die Bauvorlageberechtigung schließt die Berechtigung zur Erstellung der bautechnischen Nachweise ein (Art. 62 Abs. 1). Bautechniker und Bauhandwerksmeister mit drei Jahren zusammenhängender Berufserfahrung können durch erfolgreiches Ablegen einer Fachprüfung die Berechtigung erwerben, im Rahmen ihrer Bauvorlageberechtigung die bautechnischen Nachweise zu erstellen (§ 1 Abs. 1 ZQuaIVBau). Die Handwerkskammer für Mittelfranken führt die Liste der zur Erstellung der bautechnischen Nachweise anerkannten Personen (§ 10 Abs. 3 ZQuaIVBau).

Sonderregelungen gibt es für

 

  • Standsicherheitsnachweis
  • Brandschutznachweis, (Art. 62 Abs.2) abhängig von der Frage, ob der Nachweis geprüft wird (Art. 62 Abs. 3), bei Wohnhäusern GKI. 1 und 2 findet keine Prüfung statt.
  • Wärmeschutznachweis – (Vor Baubeginn ist die Einhaltung der Anforderungen nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) nachzuweisen (Energienachweis); der Nachweis ist zusammen mit dem erforderlichen bautechnischen Nachweis des Wärmeschutzes zu führen.)
  • Schallschutznachweis
  • Erschütterungsschutznachweise werden nicht geprüft (Art. 62 Abs. 4 Satz 1).

 

 

Bauüberwachung durch die Bauaufsichtsbehörde

 

Die Bauaufsichtsbehörde ist berechtigt, die Bauausführung zu überprüfen. Das gilt auch, wenn Ihr Vorhaben von der Genehmigung freigestellt ist. Die Bauaufsichtsbehörde hat deshalb das Recht, nach ihrem Ermessen stichprobenartig oder in konkreten Verdachtsfällen, jederzeit die Baustelle zu betreten und in die für die Bauausführung wesentlichen Unterlagen Einsicht zu nehmen.

Zur Erleichterung und Vereinfachung der Bauüberwachung werden dem Bauherren die Pflicht, den Baubeginn anzuzeigen und andere Obliegenheiten auferlegt. Kommt der Bauherr seinen Verpflichtungen nicht nach, so kann ihm hierfür eine Geldbuße auferlegt werden.

 

Baubeginn

Wenn die bautechnischen Nachweise erstellt wurden und Sie mit dem Bau beginnen wollen, müssen Sie den Baubeginn unter Verwendung eines Formblattes – der Baubeginnanzeige – mindestens eine Woche vorher der Bauaufsichtsbehörde schriftlich mitteilen.

 

Auf der Baubeginnanzeige hat der Nachweisersteller des Standsicherheitsnachweises (Ziffer 5) und des Brandschutznachweises (Ziffer 6) mit seiner Unterschrift erklärt, dass der Standsicherheitsnachweis und der Brandschutznachweis erstellt wurden.

Da der Standsicherheitsnachweis für Ihr Wohnhaus grundsätzlich nicht geprüft werden muss, ist Ihr Nachweisersteller für die ordnungsgemäße Bauausführung verantwortlich! (Art. 77 Abs. 3)

Zusätzlich müssen vor Baubeginn die Grundfläche der baulichen Anlage und die Höhenlage festgelegt sein. Dabei ist erforderlich, dass die Grenzen des Baugrundstückes jederzeit klar ersichtlich sind. In Zweifelsfällen empfiehlt es sich, das Vermessungsamt hinzuzuziehen.

Bei genehmigungspflichtigen Vorhaben kann die Bauaufsichtsbehörde einen Nachweis darüber verlangen, ob die genehmigten Pläne eingehalten sind (Schnurgerüstabnahme, bzw. Einmessbescheinigung durch einen Prüfsachverständigen für Vermessung).

Beugen Sie Ärger vor: Die genaue Festlegung von Lage und Höhe des Bauvorhabens ist die wichtigste „Schaltstelle“ bei der Bauausführung, wegen der Einhaltung der Abstandsflächen auch und gerade im Verhältnis zum Nachbarn. Deshalb liegt diese Maßnahme nicht nur in Ihrem eigenen Interesse.

An der Baustelle ist bei genehmigungspflichtigen und genehmigungsfrei gestellten Vorhaben an gut sichtbarer Stelle eine Bautafel anzubringen, die die Bezeichnung des Vorhabens sowie die Namen und Anschriften des Bauherrn und des Entwurfsverfassers enthalten muss. Als verantwortungsbewusster Bauherr schließen Sie auch keine Verträge mit Schwarzarbeitern, da diese ungesetzlich und somit nicht rechtswirksam sind. Somit haben Sie auch keine Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Schwarzarbeiter.

Scheinbare Preisvorteile können sich durch unsachgemäße oder schlechte Bauausführung oder sogar durch Sicherheitsmängel erheblich verteuern.

 

Anzeige zur Nutzungsaufnahme

Die beabsichtigte Aufnahme der Nutzung müssen Sie mindestens zwei Wochen vorher der Bauaufsichtsbehörde anzeigen. Ihr Wohnhaus darf erst benutzt werde, wenn die Zufahrtswege, Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsanlagen in dem erforderlichen Umfang sicher benutzbar sind. Die Feuerstätten dürfen Sie erst in Betrieb nehmen, wenn der Bezirkskaminkehrermeister die Tauglichkeit und die sichere Benutzbarkeit der Abgasanlagen bescheinigt hat. Zu guter Letzt noch ein Hinweis zur Aufbewahrung von Bauvorlagen

 

Im eigenen Interesse muss Ihnen dringend empfohlen werden, die Baugenehmigung, den Freisteller, die Bauvorlagen sowie die bautechnischen Nachweise und die Verwendbarkeitsnachweise für Bauprodukte und Bauarten, soweit sie Nebenbestimmungen für den Betrieb oder die Wartung enthalten, bis zur Beseitigung Ihres Wohnhauses oder einer die Genehmigungsfrage insgesamt neu aufwerfenden Änderung oder Nutzungsänderung sorgfältig aufzubewahren.

Wenn Bauvorlagen unsorgfältig behandelt worden und abhandengekommen sind, tragen Sie als Bauherr, im Rahmen Ihrer Eigenverantwortung den selbstverschuldeten Aufwand für die Neuerstellung der bautechnischen Nachweise.

Bei einer rechtsgeschäftlichen Veräußerung des Bauvorhabens sollen die Bauvorlagen an den jeweiligen Rechtsnachfolger weitergegeben werden.

Titelbild: by  ragsac, Stock Foto 3267623

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