Passive Häuser – aktive Planung

Passive Häuser – aktive Planung

Wie können wir in Deutschland die Ziele der Energiewende, die durch die Bundesregierung 2007 und 2010 auf unsere Agenda geschrieben wurden bei einer Neubauratezwischen 1-2% in absehbarer Zeit umsetzen? Die für Neubauten entwickelten Energiekonzepte der KFW Effizienzhäuser, Passivhäuser, Sonnenhäuser, können bestenfalls Impulse für den Umgang mit unseren bestehenden Städten und Siedlungsstrukturen liefern.

Die bisher propagierten Konzepte für Bestandsbauten, einer „warmen Hülle“ mit effizienter Wärmeerzeugung, sind als „low hanging fruits“,ein erster erfolgreicher Schritt zu einer CO2neutralen Lebenswelt, die es nun weiterzudenken gilt. Um die Optimierungsprozesse vor-anzubringen, wird es notwendig werden, den Maßstab der Bearbeitung in die städtische oder regionale Ebene zu bringen. Die Kommunen und Städte spielen dabei zweifellos eine der zentralen Schlüsselrollen. Wir haben durch Wohnen, Arbeiten, unsere Nahrung und Nachfragenach Mobilität einen Energiebedarf, dessen Höhe durch viele Faktorenbestimmt wird, die eng ineinandergreifen.

So beeinflusst die bauliche Beschaffenheit der Gebäude, deren Nutzung und Lage in der Stadt und die bauliche Dichte des Quartiersunseren Enegiebedarf ebenso wie die Versorgungssysteme, die Spezifik der angesiedelten Produktionsprozesse und die Struktur der Verkehrsnetze inkl. ÖPNV. Vordergründig erscheint uns die Stadt als Summe einzelner Gebäude und deren Freiräume. Diese sind jedoch nicht eigenständig, sondern stehen auf vielerlei Ebenen miteinander in Verbindung.

Das Zusammenwirken funktioniert sowohl in räumlichen als auch technischen und funktionalen Dimensionen. Bei genauerem Hinsehen wird schnellklar, dass neue Ansätze integrierten Denkens und Handelns erforderlich sind, um weitere Potentiale der CO2Einsparung aufzuspüren und wirksam werden zu lassen. Dazu gehören sicher die bisher wenig beachteten Energiequellender lokalen Ressourcen. Diese sollten aufgespürt und erschlossen werden. Für lokale und private Energiegewinnung, müssen planungsrechtliche Voraussetzungen geschaffen werden, um den Vorteilen der dezentralen Netze Vorschub zu leisten.

So könnte beispielweise die Abwärme großer Einzelhandelsflächen oder Produktionsbetrieben zur Beheizung kalter Kirchen genutzt werden, lokale Stromerzeugung und Verbrauch über intelligente Netze Synergien bilden, und nicht zuletzt eine intensivere Abstimmung der Bedarfe in unseren Überlegungen zu (Nach)Nutzungen und deren Zusammenhängen bereitseinen Beitrag zur CO2Reduzierung leisten. Dadurch verändert sich Stadtplanung und Planung von Gebäuden in erheblichem Maß. Die Komplexität nimmt zu. Ganzheitliche Strategien für große zusammenwirkende Regionen und deren Umsetzung in städtischen und ländlichen Ortsteilen müssen unter dem Vorzeichen reduzierten Ressourcenverbrauchs und einem optimalen Zusammenwirken möglicher Synergieeffekte entwickelt werden.

Die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für historische Quartiere im Sinne des Klimaschutzes, bei gleichzeitiger Erhaltung und Pflege der baukulturellen Werte, stellt eine besondere Herausforderung dar, da die innerstädtischen Lagen mit hoher Nutzungsdichte und Funktionsvielfalt, der Adressierung unterschiedlicher Nutzergruppen, die vielfältigen Verkehrsoptionen und nicht zuletzt der Identifikationsfaktor der Ortskerne, die Handlungsfelder weiter auffächern. Eine Ausweitung klimaschutzrelevanter Aktivitäten auf alle entscheidenden Akteure und Nutzungenbefördert Synergieeffekte mit zahlreichen Wirkungsebenen in der Stadt. Inhaltlich erfordert eine integrierte Planung, dass sämtliche Anforderungen aus einem konkreten Planungsgebiet erfasst und bewertet werden, so dass auf dieser Grundlage ein stimmiges Entwicklungskonzept erarbeitet werden kann. Der integrierte Planungsansatz ermöglicht es dabei, Zielkongruenzen, Zielkonflikte und Synergieeffekte zuerkennen und Maßnahmen übereinzelne Handlungsfelder hinwegabzustimmen und auszugestalten.

Wir müssen weg vom eindimensionalen Denken der Energieberater, hin zum kreativen Gestalten miteinander. Eine Stadt wird nie nur die Summe aller „KFW Effizienz Sonnen oder Passivhäuser“ sein. In einer „aktiven“ Stadt werden nicht nur wirtschaftliche, sondern auch kulturelle Werte geschaffen. Soziale wie emotionale Bedürfnisse der Bewohner und Nutzer werden bedient, um einen Ort zu schaffen, der in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffes „NACHHALTIG“ ist. Nur AKTIV werden wir mit kreativen und integrierten Konzepten unsere Heimat langfristig bewahren.

Titelbild: by  Creativa, Stock Foto 33270863
Text: Philipp Rehm, G+O Architekten GmbH

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