Vor- und Nachteile des Denkmalschutzes

Vor- und Nachteile des Denkmalschutzes

Oft wird der Begriff Denkmalschutz nur mit strengen Auflagen, hohen Zusatzkosten und Einschränkungen der persönlichen Freizügigkeit in Verbindung gebracht. Die positiven Aspekte wie etwa kostenlose Beratung vor Ort und finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates und der Kommunen werden dabei übersehen.

Was ist ein Denkmal?

Das Bayerische Denkmalschutzgesetz definiert Denkmäler als „von Menschen geschaffene Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt“ (Art. 1 Abs.1 DSchG). Oft erschließt sich die Bedeutung eines Denkmals nicht auf den ersten Blick, da bei der Beurteilung der Denkmaleigenschaft die Größe oder der Wert des Objekts keine entscheidenden Rollen spielen.

Der Begriff Denkmal umfasst verschiedene Denkmalgruppen wie etwa die Baudenkmäler mit den historischen Ausstattungsstücken, Ensembles, technische Baudenkmäler, historische Gartenanlagen, bewegliche Denkmäler und Bodendenkmäler. Baudenkmäler sind bauliche Anlagen (oder Teile davon) einschließlich dafür bestimmter historischer Ausstattungsstücke wie etwa Türen, Fenster, Böden und Decken.

Auch bewegliche Objekte wie beispielsweise Möbel oder Teppiche können historische Ausstattungsstücke sein, wenn sie mit dem Raum eine Einheit von Denkmalwert bilden. Zu den Baudenkmälern kann auch eine Mehrheit von baulichen Anlagen gehören, und zwar selbst dann, wenn nicht jedes Einzelgebäude schützenswert, aber das Orts-, Platz- oder Straßenbild insgesamt erhaltenswürdig ist. Diese Form des Denkmals wird als Ensemble bezeichnet.

Technische Baudenkmäler können u.a. Verkehrsanlagen, Fabrikationsstätten sowie Maschinen und Gerätschaften sein. Auch historische Park- oder Gartenanlagen als eigenständiges Werk der Gartenbaukunst oder als Bestandteil eines Einzeldenkmals sind Denkmäler.

Bewegliche Denkmäler sind zum Beispiel Gemälde, Skulpturen, Möbel usw., sofern sie keine historischen Ausstattungsstücke sind. Bodendenkmäler sind bewegliche und unbewegliche Denkmäler, die sich im Boden befinden oder befanden. Allein im Landkreis Berchtesgadener Land befinden sich rund 1500 Baudenkmäler, und jedes für sich, vom Bildstock bis zur Klosteranlage, ist ein Zeugnis unserer Kultur und Tradition.

Die Denkmalliste

Die bekannten Bau- und Kunstdenkmäler, Bodendenkmäler und beweglichen Denkmäler sind in der bayerischen Denkmalliste verzeichnet. Sie kann im Landratsamt eingesehen werden. Unabhängig davon kann es sein, dass ein Gebäude Denkmaleigenschaft besitzt, obwohl es (noch) nicht in der Liste eingetragen ist. Die endgültige Beurteilung, ob es sich bei einem Gegenstand oder einer baulichen Anlage um ein Denkmal handelt, obliegt dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, das die Denkmalliste von Amts wegen führt und fortschreibt. Seit kurzem ist es auch im Internet mit dem BayernViewer-Denkmal (http://www.blfd.bayern.de) möglich, die kartografische Darstellung der Bau- und Bodendenkmäler des Landkreises samt Listentext und Bildmaterial einzusehen.

Der richtige Weg zum denkmalpflegerischen Bescheid

Wer an einem Denkmal Instandsetzungs- oder Änderungsmaßnahmen vornehmen will, braucht eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis und/oder eine Baugenehmigung. Dies gilt sowohl für das Äußere wie auch im Inneren. Auch Maßnahmen in der Nähe von Baudenkmälern oder im Ensemble bedürfen einer Erlaubnis, wenn sich diese auf den Bestand oder das Erscheinungsbild auswirken.

Beschreiben Sie Ihr Vorhaben und fragen Sie nach, ob dafür eine Baugenehmigung oder eine denkmalschutzrechtliche Erlaubnis erforderlich ist. Das Landratsamt stellt im Regelfall den Kontakt zum Landesamt für Denkmalpflege her. Den zuständigen Referenten der Praktischen Bau- und Kunstdenkmalpflege werden die aktuellen Bauanträge bzw. Erlaubnisanträge zur fachlichen Beurteilung vorgelegt, die denkmalpflegerische Stellungnahme fließt dann in die Entscheidung der Unteren Denkmalschutzbehörde ein. Gegebenenfalls werden bei Veränderungs- oder Restaurierungsmaßnahmen Ortsbesichtigungen durchgeführt, in denen auch persönliche Beratungen von Bauherrn und Architekten stattfinden.

Als Leitfaden kann Ihnen folgende Vorgehensweise dienen:

1. Definieren Sie für sich Ihre Ziele oder Planung.

2. Informieren Sie das Landratsamt von Ihren Absichten.

3. Es folgt ein Beratungsgespräch vor Ort mit dem zuständigen Gebietsreferenten des Landesamts für Denkmalpflege und dem Landratsamt.

4. Lassen Sie darauf basierend ein Planungskonzept bzw. eine Kostenermittlung durch ein  Architekturbüro oder einen Handwerksbetrieb erstellen.

5. Es folgt gegebenenfalls eine Abstimmung des endgültigen Konzepts mit dem Landratsamt und dem Gebietsreferenten des Landesamts für Denkmalpflege.

6. Reichen Sie den Bau- oder Erlaubnisantrag über die Gemeinde ein.

7. Darauf folgt der Genehmigungs- oder Erlaubnisbescheid durch das Landratsamt.

8. Die Durchführung der Maßnahme erfolgt gegebenenfalls mit einer Betreuung durch den zuständigen Vertreter vom Landesamt.

Förderung denkmalpflegerischer Maßnahmen

Für die Erhaltung, Sicherung und Restaurierung von Denkmälern, die sich nicht im Eigentum des Staates befinden, können direkte Zuschüsse über das Landratsamt vom Staat beantragt werden.

Die Zuschüsse kommen Privatpersonen, aber auch kommunalen Gebietskörperschaften oder Kirchen zugute. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht allerdings nicht, die Entscheidung erfolgt vielmehr nach pflichtgemäßem Ermessen. Die Höhe der Zuschüsse richtet sich vor allem nach der Bedeutung und Dringlichkeit des Einzelfalls, der Finanzkraft des Eigentümers, nach der Zahl der vorliegenden Anträge und natürlich auch nach den bereitstehenden Haushaltsmitteln. Außerdem werden Maßnahmen an Denkmälern durch Steuererleichterungen in Form von Abschreibungsmöglichkeiten gefördert.

Die Abschreibungsmöglichkeiten richten sich nach den Nutzungsverhältnissen. Auskünfte darüber können das zuständige Finanzamt und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erteilen. Wenn ausnahmsweise die Grenze der Zumutbarkeit für die Erhaltung eines besonders bedeutenden Denkmals überschritten wird, kann das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst aus dem so genannten Entschädigungsfonds eine finanzielle Beteiligung in Betracht ziehen.

Wichtig im Zusammenhang mit Förderungen ist: Es werden nur die Kosten bezuschusst, die bedingt durch denkmalpflegerische Auflagen den üblichen Erhaltungsaufwand übersteigen. Außerdem können Finanzierungshilfen nur gewährt werden, wenn die Maßnahmen vor ihrer Durchführung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt und die Anträge für Zuschüsse vor Beginn der Maßnahmen bewilligt sind bzw. die Freigabe des vorzeitigen Baubeginns schriftlich vorliegt.

Titelbild: by  Ruud Morijn, Stock Foto 49671596

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